Kürzere Seeroute, WHOLEGARMENT-Technologie, OEKO-TEX-Garne: was bei der CO₂-Betrachtung von Strickwaren aus der Türkei zählt — und was wir ehrlich nicht beanspruchen.
Der CO₂-Fußabdruck von Bekleidung ist ein zunehmend wichtiges Thema — für österreichische Konsumenten, für B2B-Einkäufer und für die Regulierung. Die EU-Richtlinie für Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und der kommende digitale Produktpass (DPP) werden Klimaangaben zu Pflichtinformationen machen. Für Strickwarenimporteure stellt sich daher die praktische Frage: Macht Herstellungsland und Transportweg tatsächlich einen Unterschied? Die ehrliche Antwort lautet: ja, aber der Unterschied ist komplex, und pauschale Aussagen wie „unser Produkt ist klimaneutral" sind ohne Ökobilanzstudie nicht haltbar. In diesem Beitrag erklären wir, welche Faktoren den CO₂-Fußabdruck von Strickwaren bestimmen, was die Türkei im Vergleich zu Fernoststandorten realistisch unterscheidet — und was wir als Hersteller dokumentieren können.
Seefracht ist pro Tonnenkilometer die bei Weitem emissionsärmste Form des kommerziellen Gütertransports — deutlich effizienter als Luft- oder LKW-Fracht. Trotzdem ist die Distanz nicht irrelevant: Ein Containerfeld von Mersin (Türkei) nach Koper (Slowenien) legt ca. 3.000–3.500 Seemeilen zurück; von Koper nach Wien sind es dann ca. 450 km per LKW oder Bahn. Die Route von einem chinesischen Hafen (z. B. Shanghai) nach Hamburg oder Rotterdam umfasst typischerweise 11.000–12.000 Seemeilen — also drei- bis viermal mehr. Bei gleicher Frachtmenge bedeutet das auf dem Seeweg einen erheblichen Unterschied in den transportbedingten CO₂-Emissionen. Hinzu kommt: Bei Fernostlieferungen wird für dringende Ergänzungsorders häufig Luftfracht gewählt — ein Faktor mit dramatisch höherem CO₂-Fußabdruck. Die kurze Seeroute über die Adria ist ein echtes, dokumentierbares Klimaargument für türkische Strickware.
Der Transport ist nur ein Teil des Produktlebenszyklus. Produktionsenergie hängt stark vom nationalen Strommix ab: Der türkische Energiemix ist nicht vorwiegend erneuerbar, aber auch nicht schlechter als der chinesische — beide Länder haben einen erheblichen Kohlestromanteil. Hier lässt sich ohne konkrete Messdaten kein substanzieller Vorteil beanspruchen. Was wir beanspruchen können: WHOLEGARMENT-Technologie (Stoll CMS). Im konventionellen Cut-and-Sew-Prozess entsteht beim Zuschnitt von Strickpanels Abfall, der oft nicht rückführbar ist. WHOLEGARMENT produziert das Kleidungsstück komplett nahtlos auf der Maschine — nahezu 100 % des eingesetzten Garns landet im Produkt. Das ist ein messbarer Materialeffizienzgewinn. Zusätzlich setzen wir auf OEKO-TEX Standard 100-zertifizierte Garne — was den chemischen Fußabdruck in der Verarbeitung reduziert, auch wenn dies nicht direkt mit CO₂ gleichzusetzen ist. Was wir nicht beanspruchen: eine zertifizierte Klimabilanz, CO₂-Neutralität oder Scope-3-Berechnungen. Österreichische Marken, die mit Klimaaussagen in der Kommunikation arbeiten wollen, sollten eine Ökobilanz (Life Cycle Assessment, LCA) für ihr spezifisches Produkt beauftragen — das ist die einzige substanziierte Grundlage für solche Aussagen.
Ist Schiffstransport wirklich die klimafreundlichste Transportart?
Pro transportierter Tonne und Kilometer ist Seefracht die effizienteste kommerziell verfügbare Transportart — deutlich besser als Luft- oder LKW-Fracht. Die kürzere Route Türkei–Koper–Wien bedeutet dennoch deutlich weniger Seemeilen als die Route Asien–Nordeuropa, was sich in transportbedingten CO₂-Emissionen niederschlägt.
Hat Kiwi Giyim eine zertifizierte Klimabilanz?
Nein — wir beanspruchen keine zertifizierte CO₂-Neutralität. Wir dokumentieren transparent: Produktionsstandort, OEKO-TEX-zertifizierte Garne, WHOLEGARMENT-Technologie und kürzere Seeroute. Österreichische Marken, die Klimaaussagen tätigen wollen, sollten eine Ökobilanz für ihr spezifisches Produkt durchführen lassen.
Was bedeutet WHOLEGARMENT für den Materialeinsatz?
Beim konventionellen Cut-and-Sew-Verfahren fällt beim Zuschnitt Verschnittabfall an. WHOLEGARMENT-Maschinen stricken das Kleidungsstück in einem Stück, nahtlos und ohne Verschnitt — nahezu 100 % des eingesetzten Garns ist im fertigen Stück. Ein messbarer Materialeffizienzgewinn mit direktem Einfluss auf den CO₂-Fußabdruck.
Wir stellen Ihnen die Fakten bereit: Produktionsstandort, Garnzertifikate, Technologie. Was Sie daraus kommunizieren, sollte auf Ihren eigenen Klimaberechnungen basieren — wir unterstützen Sie mit transparenter Dokumentation.