Österreichische Konsumentinnen und Konsumenten fragen zunehmend nach biologisch erzeugter Baumwolle — und das nicht ohne Grund. Konventioneller Baumwollanbau zählt zu den pestizidintensivsten Kulturen weltweit. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist die international anerkannte Antwort darauf: ein zweistufiger Standard, der sowohl den ökologischen Anbau als auch die verantwortungsvolle Verarbeitung entlang der gesamten Lieferkette zertifiziert. Für österreichische Modeunternehmen, die Nachhaltigkeit glaubwürdig kommunizieren wollen, ist GOTS das stärkste verfügbare Instrument. In diesem Beitrag erklären wir, was der Standard genau umfasst, was wir als türkischer Strickwarenlieferant anbieten können — und wo die Grenzen unserer Zertifizierung ehrlich gezogen werden müssen. Denn Transparenz ist uns wichtiger als leere Versprechen.

Was GOTS wirklich zertifiziert

GOTS prüft zwei grundlegende Bereiche. Der erste betrifft den ökologischen Anbau: Die Baumwolle muss ohne synthetische Pestizide und Düngemittel, ohne gentechnisch verändertes Saatgut und unter Förderung der Bodengesundheit angebaut werden — nach den Grundsätzen der biologischen Landwirtschaft, wie sie von der EU-Bio-Verordnung und internationalen Richtlinien definiert werden. Der zweite Bereich betrifft die gesamte Verarbeitungskette: Spinnen, Färben, Stricken, Konfektionieren. Jede Stufe muss Schadstoffgrenzwerte einhalten (u. a. für Schwermetalle, Formaldehyd, Azofarbstoffe), Abwasser sachgerecht behandeln und soziale Mindeststandards für Arbeitnehmer sicherstellen — faire Löhne, sichere Arbeitsbedingungen, keine Kinderarbeit. Beide Bereiche müssen erfüllt sein, damit ein Produkt das GOTS-Label tragen darf. Der Standard wird von akkreditierten Zertifizierungsstellen wie Kontrolle Union oder CCPB geprüft und jährlich auditiert. Das unterscheidet GOTS von bloßen Selbstauskünften der Hersteller.

Was wir anbieten — und was nicht

Kiwi Giyim kauft GOTS-zertifizierte Baumwollgarne von akkreditierten Garnlieferanten ein. Das bedeutet: Das Rohmaterial, das in unsere Flachstrickmaschinen einläuft, ist ökologisch zertifiziert und mit entsprechenden Zertifikatsnummern dokumentiert. Wir stellen Ihnen diese Nachweise für Ihre Lieferkettendokumentation zur Verfügung. Was wir jedoch klar kommunizieren müssen: Kiwi Giyim als Fabrik besitzt keine eigene GOTS-Fabrikzertifizierung. Der Standard sieht eine lückenlose Chain of Custody vor — jede Verarbeitungsstufe muss zertifiziert sein. Da unsere Strickerei noch nicht nach GOTS auditiert ist, kann das fertige Kleidungsstück, das wir produzieren, nicht mit dem GOTS-Endproduktlabel versehen werden. Das ist eine ehrliche Einschränkung, die wir klar kommunizieren. Österreichische Marken, die das GOTS-Siegel auf ihren Produkten tragen möchten, benötigen entweder einen GOTS-zertifizierten Hersteller oder müssen selbst eine Chain-of-Custody-Zertifizierung durchlaufen. Wir empfehlen, vorab mit einer akkreditierten Zertifizierungsstelle zu sprechen. Dieser Beitrag ist allgemeine Information und keine Rechts- oder Zertifizierungsberatung.

Der österreichische Markt für Bio-Textilien

Österreich zählt zu den Ländern mit der höchsten Sensibilität für nachhaltige Produkte in Europa. Der Anteil der Konsumentinnen und Konsumenten, die beim Kleidungskauf auf ökologische Kriterien achten, ist überdurchschnittlich hoch — auch im B2B-Bereich stellen Einkäufer von Boutiquen und Kaufhäusern zunehmend Fragen zur Lieferkette. Das Österreichische Umweltzeichen, OEKO-TEX und GOTS sind in diesem Markt bekannte Begriffe. Für Ihre Markenpositionierung bedeutet das: Wer glaubwürdig mit Bio-Materialien kommunizieren will, muss die Zertifizierungskette lückenlos dokumentieren können. Was wir leisten können: Garnzertifikate für Ihre Unterlagen, Transparenz über unsere Produktionsbedingungen in Gaziantep, vollständige Materialangaben. Was wir nicht leisten können: die GOTS-Fabrikzertifizierung und das daraus resultierende Endproduktlabel. Diese Ehrlichkeit ist, wie wir glauben, die bessere Grundlage für eine langfristige Geschäftsbeziehung als übertriebene Versprechen.

Häufige Fragen

Kann Kiwi Giyim Produkte als „GOTS-zertifiziert" liefern?

Wir kaufen GOTS-zertifizierte Garne von akkreditierten Lieferanten ein. Da wir selbst keine GOTS-Fabrikzertifizierung besitzen, kann das fertige Produkt nicht als „GOTS-zertifiziertes Produkt" vermarktet werden — das würde eine lückenlose Chain of Custody bis zur letzten Verarbeitungsstufe erfordern. Wir stellen die Garnzertifikate für Ihre Dokumentation bereit.

Was genau prüft GOTS bei Biobaumwolle?

GOTS prüft zwei Bereiche: erstens den ökologischen Anbau — keine Pestizide, kein GVO-Saatgut, Bodengesundheit — und zweitens verantwortungsvolle Verarbeitung entlang der gesamten Lieferkette mit Schadstofflimits, Abwasserauflagen und sozialen Mindeststandards für Arbeitnehmer. Beide Bereiche müssen erfüllt sein.

Was ist der Unterschied zwischen GOTS-Garn und GOTS-Produkt?

Ein GOTS-zertifiziertes Garn bedeutet, dass der Rohstoff und die Garnverarbeitung dem Standard entsprechen. Ein GOTS-zertifiziertes Endprodukt setzt voraus, dass alle Stufen von der Faser bis zum fertigen Kleidungsstück unter GOTS-Zertifizierung stehen — also auch die Strickerei. Ohne Fabrikzertifizierung darf das fertige Kleidungsstück nicht mit dem GOTS-Label versehen werden.

Bio-Materialien für Ihre Kollektion besprechen

Wenn Sie GOTS-Baumwolle, Bio-Merinowolle oder andere zertifizierte Fasern für Ihre österreichische Strickkollektion einsetzen möchten, sprechen wir offen über Möglichkeiten und Grenzen. Senden Sie uns Ihre Anfrage — wir antworten ehrlich.

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