Logistik · Einkauf

CMT, FOB, DDP — Preismodelle beim Strickwaren-Einkauf

Incoterms und Preismodelle im Strickwaren-Einkauf: was der Preis umfasst, wo Ihr Risiko beginnt und was wir anbieten.

Wenn eine Fabrik ein Angebot macht, steht dahinter ein Preismodell — und damit eine Risiko- und Kostenverteilung. CMT, FOB, CIF und DDP sind keine Details, sondern entscheiden, wer Fracht, Versicherung und Zoll trägt. Wer das nicht kennt, vergleicht Preise, die gar nicht vergleichbar sind.

Zur Einordnung: FOB, CIF und DDP sind Incoterms — standardisierte Lieferklauseln der Internationalen Handelskammer, die den Gefahrenübergang und die Kostenteilung regeln. CMT ist dagegen kein Incoterm, sondern ein Fertigungsmodell: Es beschreibt, was die Fabrik leistet (nur Stricken, Konfektion, Ausrüstung), nicht, wie geliefert wird. Eine Praxis-Feinheit für die Route Türkei–Deutschland: Der Großteil der Strickwaren fährt per Lkw, nicht per Schiff. Streng genommen wäre dafür die Klausel FCA (Free Carrier) korrekt — in der Branche wird trotzdem fast immer von „FOB" gesprochen. Entscheidend ist nicht das Kürzel, sondern dass der Übergabepunkt im Vertrag eindeutig benannt ist: Fabrikrampe Gaziantep, Terminal Mersin oder verzollt in Deutschland.

Die vier Modelle

CMT

Cut, Make, Trim

Die Fabrik fertigt — der Käufer stellt Garn oder Material. Günstigster Fertigungspreis, aber der Käufer trägt Material-Einkauf, -risiko und -logistik. Selten bei Strickwaren sinnvoll, da Garn Produktionswissen erfordert.

FOB

Free On Board

Fabrik liefert Ware frei an Bord des Schiffes im Exporthafen (z. B. Mersin). Ab dort trägt der Käufer Fracht, Versicherung und Zoll. Meistgenutztes Modell im Strickwaren-Einkauf.

CIF

Cost, Insurance, Freight

Fabrik bezahlt Fracht und Versicherung bis zum Zielhafen (z. B. Hamburg). Zoll und Transport ab Hafen trägt der Käufer. Komfortabler als FOB, aber die Fabrik wählt Spediteur und Route.

DDP

Delivered Duty Paid

Fabrik liefert verzollt und frachtfrei bis zur deutschen Adresse. All-in-Preis — höchster Komfort, aber wenig Transparenz und meist teurer als FOB + eigener Spediteur.

Was wir anbieten — und warum FOB für die meisten sinnvoll ist

Wir kalkulieren standardmäßig auf FOB-Basis (Mersin). Der Grund: Sie als Marke kennen Ihren Spediteur, Ihre bevorzugte Route und haben bei FOB volle Kontrolle über Versicherung, Timing und Kosten. Mit dem A.TR-Dokument entfällt der EU-Zoll — das macht Ihre Landed-Cost-Kalkulation transparent und planbar. Auf Anfrage können wir CIF-Angebote bis Hamburg machen. DDP ist auf Anfrage möglich, aber für kleinere Marken meist nicht die günstigste Option.

Wer trägt was? Die Modelle im direkten Vergleich

Die folgende Übersicht zeigt, welche Kosten- und Risikoblöcke bei jedem Modell auf welcher Seite liegen — die Grundlage, um Angebote überhaupt vergleichbar zu machen:

ModellDie Fabrik trägtSie als Käufer tragen
CMTNur Fertigung (Stricken, Konfektion, Ausrüstung)Garn-Einkauf und -Anlieferung, Materialrisiko, gesamte Logistik und Verzollung
FOB / FCAWare, Exportabwicklung, Übergabe am vereinbarten PunktHauptfracht, Transportversicherung, Einfuhrabwicklung, Nachlauf zum Lager
CIFWare, Hauptfracht und Versicherung bis ZielhafenEinfuhrabwicklung, Hafen-/Terminalgebühren am Ziel, Nachlauf zum Lager
DDPAlles bis zur deutschen Lieferadresse, verzolltNur Warenannahme — dafür wenig Kostentransparenz im All-in-Preis

Drei Stolpersteine aus der Praxis: Bei CIF wählt die Fabrik den Spediteur — die Gebühren am Zielterminal („destination charges") tauchen im Angebot nicht auf und überraschen dann auf der Rechnung des Empfangsspediteurs. Bei DDP muss die Fabrik oder ihr Dienstleister die deutsche Einfuhrabwicklung übernehmen; die Marge dafür steckt unsichtbar im Stückpreis. Und in jedem Modell gilt: Die deutsche Einfuhrumsatzsteuer fällt unabhängig vom Zollsatz an — sie ist für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen ein Durchlaufposten, muss aber in der Liquiditätsplanung berücksichtigt werden.

So machen Sie Angebote vergleichbar

A.TR: der entscheidende Unterschied zu China

Bei China-Importen zahlen Sie bei FOB noch EU-Außenzoll (~12 % für Strickwaren, HS-Kapitel 61) — das kommt on top zu Fracht und CIF-Preis. Bei türkischer Ware mit A.TR: 0 % Zoll. Das macht FOB-Preisvergleiche zwischen Türkei und China oft irreführend — der türkische FOB mag ähnlich sein, aber der Landed Cost in Deutschland ist spürbar niedriger. Wichtig für die Einordnung: Die A.TR ist ein Freiverkehrsdokument der Zollunion EU–Türkei, kein Ursprungsnachweis — sie bestätigt den zollfreien Warenverkehr, nicht die Herkunft der Ware.

Passend dazu: Produktion in der Türkei starten · Firmen- und Arbeitskleidung aus Strick · Strick-Lohnfertigung.

FOB-Angebot anfordern?

Schicken Sie Brief oder Referenz. Wir liefern ein FOB-Angebot (Mersin) mit Zeitplan — innerhalb von 1 Werktag.

Verwandte Leitfäden

→ FOB bis Ladenpreis → A.TR & Zollunion → Versand Türkei→Deutschland → Türkei vs. China

Passende Herstellerseiten

→ Häufige Fragen
E-Mail Senden