Strategie · Planung

Strickwaren-Kollektion planen — Terminplan für Herbst/Winter

Vom Retail-Launch rückwärts planen: Produktion, Muster, Brief — und warum Nearshore-Produktion den Zeitplan entspannt.

Der häufigste Planungsfehler bei Strickwaren: zu spät anfangen. Wer im August an der HW-Kollektion sitzt, die im Oktober im Shop stehen soll, hat die Produktion bereits zu spät gestartet — oder bezahlt Express-Aufschläge. Rückwärtsplanung vom Verkaufsstart ist der einzige Weg, Timing realistisch zu halten.

Musterterminplan: Herbst/Winter-Drop September

Sep

Retail-Launch

Zieltermin: Ware im deutschen Lager verfügbar, Webshop live oder Einzelhandel beliefert. Von hier aus rückwärts.

Aug

Anlieferung + QC

Ware muss ~3–4 Wochen vor Launch ankommen, damit Eingangskontrolle, Einlagerung und Vorbereitung möglich sind. Versand aus Türkei spätestens Ende Juli.

Mai–Jul

Produktion (45–60 Tage)

Produktionsstart nach Musterfreigabe. Bei 250–500 Stück ca. 45–55 Tage, bei komplexeren Styles oder größerem Volumen bis 60 Tage. Produktionsstart: Anfang bis Mitte Mai.

Apr–Mai

Musterphase (3–6 Wochen)

Erstmuster + ggf. 1 Revision: 3–6 Wochen. Muster anfragen: spätestens Anfang April, bei komplexen Styles Ende März.

Schritt vor dem Muster: Design-Brief

Für einen April-Musterstart muss der Design-Brief spätestens Mitte März finalisiert sein. Das umfasst Styles, Garne, Gauge-Wünsche, Farbpalette und Größentabelle. Wer bis Mitte März keine klare Produktvision hat, riskiert, den September-Launch zu verfehlen oder unter Zeitdruck schlechte Kompromisse zu machen.

Der komplette HW-Fahrplan im Überblick

Für einen September-Launch sieht die volle Rechenstrecke so aus — inklusive der Frage, wer in welcher Phase am Zug ist:

ZeitraumMeilensteinFederführung
Februar – Mitte MärzDesign-Brief final: Styles, Garnrichtung, Farbpalette, GrößentabelleMarke
Ende März – AprilMusteranfrage, Protos, Lab-DipsMarke und Fabrik
April – Anfang MaiRevision, PP-Sample, schriftliche FreigabeBeide
Mai – JuliProduktion (45–60 Tage) mit Inline-UpdateFabrik
Ende JuliVerladung plus Dokumente: Rechnung, Packliste, A.TRFabrik und Spediteur
AugustTransport, Verzollung, Wareneingang, EingangskontrolleSpediteur und Marke
SeptemberLaunch auf der Fläche und im ShopMarke

Woran Zeitpläne wirklich scheitern — vier Muster

1

Feedback-Latenz auf Markenseite

Der unterschätzte Zeitfresser: Das Muster liegt drei Wochen unkommentiert im Showroom. Die Fabrik kann erst weiterarbeiten, wenn Feedback da ist — planen Sie interne Freigabefenster genauso verbindlich wie Produktionstermine.

2

Garn-Verfügbarkeit ignoriert

Lagerhaltige Standardqualitäten sind schnell verfügbar; Sonderfarben und Spezialgarne hängen an Färbepartien und Spinnerei-Vorlauf. Wer eine exklusive Farbstellung will, muss sie Wochen früher fixieren — oder das Garn früh reservieren lassen. Details im Beitrag zur Garn-Auswahl.

3

Hochsaison-Kapazität unterschätzt

Mai bis Juli ist die Peak-Zeit für HW-Produktion — alle Marken wollen gleichzeitig auf die Maschinen. Wer erst im Juni freigibt, konkurriert um Maschinenzeit und rutscht nach hinten. Frühe Freigabe ist das günstigste Kapazitätsinstrument, das es gibt.

4

Feiertage auf beiden Seiten vergessen

Türkische Feiertagsblöcke wie Ramadan- und Opferfest verschieben sich jährlich, dazu kommen deutsche Sommerferien der Entscheidungsträger. Beides gehört bei der Jahresplanung in den Kalender — die konkreten Termine jedes Jahr neu prüfen.

Türkei-Vorteil beim Timing

Gegenüber China verkürzt die Türkei den kritischen Pfad erheblich: Seeweg 10–15 Tage vs. 28–40 Tage aus China. Das gibt 2–4 Wochen zurück — entweder als Puffer bei Produktionsverzögerungen oder als späterer Produktionsstart (und damit mehr Zeit für die Musterphase). LKW-Direktfracht ist noch schneller: 5–8 Tage. Bei zeitkritischen Drops (Restocking, Nachbestellung, kurzfristige Erweiterung) kann die Türkei liefern, wo China nicht mehr rechtzeitig ist.

Frühjahr/Sommer, NOS und zweite Drops — die anderen Zyklen

Der HW-Fahrplan lässt sich spiegeln: Für einen Frühjahrs-Launch im Februar/März muss der Design-Brief im Spätsommer des Vorjahres stehen, die Produktion läuft im Herbst — außerhalb der Strick-Hochsaison, was die Kapazitätslage entspannt. NOS- und Carryover-Styles koppeln Sie am besten ganz vom Saisonrhythmus ab: Ein eingelaufener Bestseller mit freigegebenem PP-Standard kann bedarfsgesteuert nachproduziert werden; wann Nachbestellungen sinnvoll ausgelöst werden, zeigt der Beitrag zum Reorder-Timing. Und wer mit zwei Drops pro Saison arbeitet, plant den zweiten Drop als eigene, kleinere Rechenstrecke — nicht als Anhängsel des ersten. Die teuerste Variante ist immer dieselbe: Verzug am Anfang der Kette, der am Ende mit Luftfracht bezahlt wird. Welche Transportwege welche Zeit kosten, rechnet der Leitfaden Versand Türkei–Deutschland durch.

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→ Musterproduktion → Versand Türkei→Deutschland → Private Label Guide → MOQ erklärt

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