Warum Fabriken Mindestmengen setzen, was 250 Stück wirklich bedeutet und wie eine Kapselkollektion damit funktioniert.
Die MOQ (Minimum Order Quantity) ist eine der ersten Fragen, die neue Marken stellen — und eine der am häufigsten missverstandenen. MOQ ist keine willkürliche Hürde: Sie ergibt sich aus der Produktionslogik. Wer versteht, warum es MOQ gibt, kann besser mit ihr arbeiten und vermeidet Fehlentscheidungen beim ersten Produktionsauftrag.
Jedes neue Modell oder jede neue Farbe erfordert Maschinenvorbereitung, Musterrüstung und Qualitätsabnahme. Diese Fixkosten verteilen sich auf die Stückzahl — bei 50 Stück sind sie pro Stück prohibitiv.
Garnlieferanten haben eigene MOQ pro Farbe — oft 10–30 kg. Daraus ergibt sich eine Mindestanzahl Strickteile, um das bestellte Garn zu verarbeiten, ohne Überbestand beim Hersteller zu erzeugen.
Intarsia, Jacquard oder komplex gestaltete Strickteile erfordern Musterprogrammierung an der Maschine. Dieser Aufwand lohnt sich erst ab einer gewissen Stückzahl.
Unterhalb der MOQ steigen Stückkosten so stark, dass entweder der Preis für den Kunden nicht mehr zumutbar ist oder die Fabrik den Auftrag nicht rentabel abwickeln kann.
Wir arbeiten mit einer MOQ von 250 Stück pro Farbe für Standard-Strickteile (Pullover, Cardigan, Kleid). Das ist bewusst niedrig für eine eigene Fabrik — üblich sind 500–1.000 in der Türkei. 250 Stück in einer einzigen Farbe ergibt bei einer typischen deutschen Größenverteilung (XS/S/M/L/XL) je nach Split 50 Stück pro Kerngröße. Das reicht für eine solide Einführungskollektion, einen Launch oder einen Test-Drop.
Farbkonsolidierung: Statt 5 Farben à 100 Stück (unter MOQ) → 2 Farben à 250 Stück (MOQ erfüllt). Beschränken Sie den ersten Drop auf die stärksten Farben. Kapsel-Strategie: Ein MOQ-konformer Hero-Style in 2–3 Farben verkauft sich besser als 8 Styles in je 50 Stück. Nachbestellung: Stückkosten sinken ab 500–1.000 Stück spürbar. Planen Sie von Anfang an eine Reorder-Option ein. Style-Bündelung: Ähnliche Styles auf derselben Maschine können bei der Fabrik kombiniert werden — das können wir bei der Anfrage besprechen.
Nicht jeder Stricktyp hat dieselbe MOQ-Logik. Als Orientierung:
250 Stück pro Farbe — unsere Basis-MOQ. Maschinenrüstung überschaubar, Garnmindestmenge gut erreichbar. Ideal für Capsule-Kollektionen.
250 Stück pro Farbe ebenfalls, aber die Rüstung (Maschinenprogrammierung für komplexe Muster) ist aufwendiger. Das spiegelt sich im Stückpreis wider — nicht in der MOQ.
Shima-Seiki-WHOLEGARMENT-Stücke haben komplexere Maschinenprogramme. MOQ 250 ebenfalls, aber Entwicklungszeit länger. Gut für Hero-Styles, nicht für 10 Varianten parallel.
Kürzere Strickzeit, geringerer Garnverbrauch pro Stück — MOQ kann je nach Produkt niedriger liegen. Anfragen Sie konkret.
Niedrigere MOQ (z. B. 100 Stück): Möglich, aber der Stückpreis steigt stark — die Fixkosten (Rüstung, Garn-Mindestmenge) verteilen sich auf weniger Stücke. Bei 100 Stück kann der Stückpreis 30–50% über dem bei 250 liegen. Für einen echten Test mit minimalem Risiko kann das sinnvoll sein — aber rechnen Sie vorher nach.
Höhere MOQ (z. B. 500–1.000 Stück): Stückpreis sinkt spürbar. Ab 500 Stück beginnt der Rabattstaffeleffekt — Garn wird günstiger (größere Partien), Maschinenauslastung besser, Fixkosten pro Stück niedriger. Gut für etablierte Bestseller oder Wiederholungsbestellungen.
Kapsel mit 250 Stück: Die ideale Einführungsmenge für eine neue Marke. Reicht für eine solide Saison-Launch ohne Überbestand — und gibt Daten für eine informierte Reorder-Entscheidung.
Eine reale Capsule-Kollektion einer deutschen D2C-Marke als Beispiel — keine Garantien, aber ein realistischer Rahmen:
Pullover (250 Stück × 2 Farben) + Cardigan (250 Stück × 2 Farben) = 1.000 Stück gesamt. Jede Farbkombination erreicht die MOQ eigenständig.
250 Stück in 5 Größen (XS/S/M/L/XL): z. B. 15+50+90+70+25 Stück — marktübliche Kurve für deutsche Damenmode. Ergibt pro Größe mindestens 15 Stück, also kontrollierbar.
Muster in 10–14 Tagen. 1–2 Revisionsrunden = 3–4 Wochen Sampling gesamt. Produktion 45–60 Tage. Total ab Brief bis Hamburg: 10–14 Wochen. Für Herbstkollektion → Beauftragung im Frühjahr.
Wer nach dem ersten Drop nachbestellt, sollte den Reorder-Zeitplan schon beim Launch kennen. Vorlauf: ~8–10 Wochen ab Nachbestellungsauftrag bis Lieferung Hamburg.
Teilen Sie uns Ihre Styles und Stückzahlvorstellung mit. Wir helfen, ein MOQ-konformes Paket zu schnüren, das Ihren Launch-Budget respektiert.
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