Kapitel 61 des Harmonisierten Systems umfasst alle gewirkten und gestrickten Bekleidungsstücke. Korrekte HS-Nummern vermeiden Zollnachzahlungen und Verzögerungen.
Das Harmonisierte System (HS) klassifiziert Strickwaren in Kapitel 61 — Bekleidung und Bekleidungszubehör, aus Gewirken oder Gestricken. Die korrekte HS-Nummer (mindestens 6-stellig, für EU 8-stellig im TARIC) ist Voraussetzung für Einfuhranmeldung, Zollberechnung und Ursprungsnachweis. Fehler bei der Einreihung sind häufig und können teuer werden. Wo die Warennummer im gesamten Einfuhrprozess steht, ordnet unser Leitfaden Zoll beim Import aus der Türkei ein.
HS 6110: Pullover, Strickjacken, Westen und ähnliche Waren. Unterpositionen nach Faserart: 6110.11 (Wolle/Tierhaare), 6110.20 (Baumwolle), 6110.30 (Chemiefasern). Entscheidend: Hauptfaser nach Gewichtsanteil. Kaschmir-Pullover: 6110.12. Merino-Wolle: 6110.11.
HS 6109: T-Shirts, Unterhemden und ähnliche Waren aus Gewirken. Baumwolle: 6109.10, Chemiefasern: 6109.90. Auch gestrickte Loungewear und Basic-Tops können hier einzureihen sein — abhängig von Konstruktion und Verwendung.
HS 6104: Kostüme, Kombis, Jacken, Kleider (Damen, gewirkt). Strickkleider: 6104.41 (Wolle), 6104.42 (Baumwolle), 6104.43 (Chemiefasern). Gestrickte Jacken (Outerwear): ggf. 6101/6102 je nach Dicke und Kategorie — Spediteur prüfen lassen.
Hauptfaser (höchster Gewichtsanteil) bestimmt die HS-Unterposition. Bei 50/50-Mischungen: Wolle hat Vorrang vor Baumwolle, Baumwolle vor Chemiefasern (HS-Anmerkungen zu Abschnitt XI). Faseranalyse-Zertifikat (OEKO-TEX oder Labortest) hilft bei Zweifeln.
Die sechsstellige HS-Nummer ist weltweit einheitlich; darüber hinaus verfeinert die EU die Nummer stufenweise. Für die deutsche Einfuhranmeldung genügt HS-6 nicht — angemeldet wird die vollständige Codenummer. Welche Ebene wofür steht, zeigt die Übersicht:
| Ebene | Stellen | Wer legt sie fest — und wofür |
|---|---|---|
| HS — Harmonisiertes System | 6 | Weltzollorganisation; weltweit einheitliche Basis, z. B. 6110.20 für Baumwoll-Pullover |
| KN — Kombinierte Nomenklatur | 8 | EU; differenziert u. a. nach Herren- und Damenware, Grundlage der Außenhandelsstatistik |
| TARIC | 10 | EU; bildet handelspolitische Maßnahmen ab, maßgeblich für die elektronische Einfuhranmeldung |
Wir deklarieren auf den Exportdokumenten die HS-6-Basis samt Fasergehalt; die achte bis zehnte Stelle bestimmt Ihr Zollspediteur anhand des elektronischen Zolltarifs (EZT-online) — stets in der jeweils aktuellen Fassung, denn Unterpositionen und Maßnahmen werden regelmäßig angepasst.
Gewirkt oder gestrickt (Kapitel 61) versus gewebt (Kapitel 62) ist die erste Weiche. Danach zählen Warentyp (Pullover, Kleid, Jacke), Zielgruppe (Herren, Damen, Kinder) und Konstruktion. Eine saubere Produktbeschreibung im Tech Pack — Maschenware, Feinheit, Verwendungszweck — ist die halbe Einreihung.
Maßgeblich ist der Gewichtsanteil der Fasern im fertigen Teil, nicht die Marketingbezeichnung. Fordern Sie vom Hersteller die exakte Rezeptur an — bei Mischungen nahe 50/50 entscheiden wenige Prozentpunkte über die Unterposition und damit über die korrekte Anmeldung.
Der elektronische Zolltarif der deutschen Zollverwaltung zeigt zu jeder Codenummer Abgabensätze, Maßnahmen und Anmerkungen. Prüfen Sie dort — oder über Ihren Zollspediteur — ob die gewählte Nummer zu Warenbeschreibung und Fasermix passt.
Für wiederkehrende Programme mit unklarer Einreihung können Sie beim Zoll eine verbindliche Zolltarifauskunft beantragen. Sie schafft Rechtssicherheit für künftige Einfuhren derselben Ware — Antragsweg und Geltungsdauer in der jeweils aktuellen Fassung prüfen.
Kapitel verwechselt: Ein Strickcardigan mit gewebtem Besatz bleibt im Regelfall Maschenware nach Kapitel 61 — maßgeblich ist der wesentliche Charakter der Ware. Erst bei erheblichen Webstoffanteilen ist eine Einzelfallprüfung nötig. Umgekehrt gehört eine gewebte Bluse nie in Kapitel 61, auch wenn sie „strickähnlich" wirkt.
Outerwear-Grenze übersehen: Gestrickte Jacken, die erkennbar Schutz gegen Witterung bieten (gefüttert, wattiert, winddicht ausgerüstet), können in die Positionen 6101/6102 gehören statt in 6110. Die Abgrenzung ist eine der häufigsten Streitfragen bei Strick-Outerwear — hier lohnt die Abstimmung mit dem Spediteur vor der ersten Einfuhr.
Faserangabe ungeprüft übernommen: Wer die Unterposition aus dem Verkaufstext statt aus der tatsächlichen Garnrezeptur ableitet, riskiert eine falsche Anmeldung. Bei einer Mischung von 51 % Baumwolle und 49 % Polyacryl entscheidet ein einziger Prozentpunkt über die Unterposition.
Was auf dem Spiel steht: Mit gültiger A.TR-Warenverkehrsbescheinigung — dem Freiverkehrsnachweis der Zollunion EU–Türkei, kein Ursprungsnachweis — werden Strickwaren aus der Türkei im Regelfall zollfrei abgefertigt. Die korrekte Codenummer bleibt dennoch Pflicht: Sie steuert Statistik und mögliche handelspolitische Maßnahmen, und fehlt die A.TR, wird sie zur Berechnungsgrundlage des Drittlandszolls. Wie die Nummer in der Einfuhrerklärung verwendet wird, zeigt unser separater Beitrag.
Wir deklarieren auf jeder Handelsrechnung die korrekte HS-6-Nummer sowie Fasergehalt und Materialzusammensetzung. Für komplexe Produkte (Mischfasern, technische Strickwaren) geben wir auf Anfrage eine Wareneinreihungsempfehlung mit. Die finale Verantwortung für die Zollanmeldung liegt beim deutschen Importeur bzw. Zollspediteur — wir unterstützen mit vollständiger Exportdokumentation. TARIC-Consulting für spezifische EU-Zollnummern empfehlen wir an spezialisierte Zollberater.
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Teilen Sie Produktbeschreibung und Faserzusammensetzung. Wir erstellen Rechnungen mit korrekter HS-Deklaration.
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