Bei Strickware sitzt das Risiko nicht in der Faser, sondern in dem, was hineinkommt. So beschaffen Sie REACH-konform.
EU-REACH (Verordnung 1907/2006) beschränkt gefährliche Substanzen in Erzeugnissen — auch in Textilien. Für Strickware liegt das Risiko meist in dem, was der Faser zugesetzt wird: bestimmte Azofarbstoffe, Formaldehyd in pflegeleichten Ausrüstungen, Substanzen in Drucken und Beschichtungen. Die Faser selbst ist selten das Thema — die Chemie darauf schon.
Das ist zunächst eine gute Nachricht: Ein Pullover aus gefärbtem Garn, ohne Druck, ohne Beschichtung und ohne Membran hat ein deutlich schmaleres Risikoprofil als beschichtete Outdoor-Ware oder bedruckte Jersey-Artikel. Wer die wenigen relevanten Eintrittspunkte kennt und dort systematisch Belege einsammelt, hat den größten Teil der REACH-Arbeit für Strickware erledigt. Genau darum geht es in diesem Leitfaden.
Die Beschränkungen für Textilien stehen überwiegend in Anhang XVII der REACH-Verordnung. Die Liste wird laufend erweitert — verlassen Sie sich nicht auf alte Zusammenfassungen, sondern prüfen Sie die jeweils aktuelle Fassung bei der ECHA. Für Strickware sind in der Praxis vor allem diese Bereiche relevant:
| Risikobereich | Typische Quelle bei Strickware | Praktischer Hebel |
|---|---|---|
| Azofarbstoffe (verbotene Amine) | Garnfärbung, besonders kräftige und dunkle Töne | Zertifizierte Garne; bei Risikotönen Prüfbericht je Farbpartie |
| Formaldehyd | Pflegeleicht- und Knitterfrei-Ausrüstungen | Ausrüstung hinterfragen — klassische Strickware braucht sie selten |
| Schwermetalle | Farbstoffe, Metallzutaten wie Knöpfe und Reißverschlüsse | Zutaten nur mit Konformitätserklärung des Zutatenlieferanten |
| Phthalate / Weichmacher | Drucke, Beschichtungen, Applikationen | Druckpasten spezifizieren, wasserbasierte Systeme bevorzugen |
| Tenside (APEO/NPE) | Wasch- und Ausrüstungsprozesse | Prozesschemie beim Ausrüster schriftlich abfragen |
Die Tabelle zeigt das Muster: Das Risiko wandert mit der Veredlung. Je mehr Druck, Beschichtung und Spezialausrüstung ein Modell trägt, desto mehr Prüfaufwand entsteht — ein Argument, das bei der Kollektionsplanung mitgedacht werden sollte, nicht erst beim Wareneingang.
Neben den Beschränkungen des Anhangs XVII gibt es die SVHC-Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe. Enthält ein Erzeugnis einen solchen Stoff über 0,1 Massenprozent, greift die Informationspflicht nach Artikel 33 gegenüber Ihren gewerblichen Abnehmern — und auf Anfrage auch gegenüber Verbrauchern — sowie die SCIP-Meldung in die ECHA-Datenbank. Die Kandidatenliste wächst halbjährlich; auch hier gilt: die jeweils aktuelle Fassung prüfen.
Für typische Strickware aus gefärbtem Garn ohne Druck ist ein Überschreiten der Schwelle selten — aber die Frage gehört standardmäßig in Ihre Lieferantenabfrage, damit Sie im Fall einer Händler- oder Behördenanfrage nicht mit leeren Händen dastehen. Wie Sie SVHC-Abfragen konkret formulieren, zeigt unser Leitfaden REACH-SVHC für Strickwaren.
OEKO-TEX Standard 100-Garne werden gegen eine breite Liste schädlicher Substanzen geprüft — das senkt (nicht eliminiert) Ihr REACH-Risiko und liefert Belege.
Hat Ihre Marke eine Liste beschränkter Substanzen, geben Sie sie vorab weiter. Wir produzieren danach statt zu raten.
Lieferantenerklärungen und Prüfdaten, gehalten und an Sie weitergegeben — falls ein Händler oder eine Behörde fragt, ist die Dokumentation da.
„REACH-konform" als Ein-Wort-Zusicherung im Angebot ist wenig wert. Belastbar wird die Beschaffung erst, wenn die Belege auftragsbezogen vorliegen. Diese fünf Punkte gehören in jede Bestellung:
OEKO-TEX-Zertifikate der Garnlieferanten mit Nummer, Gültigkeitsdatum und Produktklasse — prüfbar über die Validierungsseite des Ausstellers, nicht nur als Logo im Katalog. Details dazu im Beitrag OEKO-TEX für Strickwaren.
Eine schriftliche Erklärung je Auftrag, welche Substanzgruppen abgedeckt sind — statt einer pauschalen Website-Aussage ohne Bezug zur konkreten Ware.
Bei dunklen oder sehr kräftigen Färbungen, Drucken oder Metallzutaten: Laborbericht zur jeweiligen Partie. Für helle, unbedruckte Basisware reicht in der Regel die Zertifikats- und Erklärungslage.
Die Restricted Substances List Ihrer Marke als Anlage zum Auftrag, vom Hersteller gegengezeichnet — so wird aus einer Absichtserklärung eine vertragliche Zusage.
Legen Sie fest, wie lange Zertifikate, Erklärungen und Prüfberichte vorgehalten und auf Anfrage nachgeliefert werden — Behördenanfragen kommen oft Jahre nach dem Verkauf.
In Deutschland kontrollieren die Marktüberwachungsbehörden der Bundesländer stichprobenartig; auffällige Textilien landen im EU-Schnellwarnsystem Safety Gate — mit Namensnennung des Inverkehrbringers. Für Ihre Risikoabwägung ebenso wichtig: Große deutsche Händler und Plattformen arbeiten mit hauseigenen RSLs, die oft strenger sind als das Gesetz. Wer nur auf die gesetzliche Mindestlinie einkauft, kann an der Listungsanforderung eines Handelspartners scheitern, obwohl die Ware rechtlich einwandfrei ist. Klären Sie deshalb beide Ebenen, bevor die Produktion startet — was Plattformen konkret verlangen, haben wir im Beitrag Strickwaren für Zalando & About You zusammengefasst.
Wir sind Strickwarenhersteller, keine Chemie-Compliance-Beratung, und REACH entwickelt sich weiter — dies ist allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Die Verantwortung für das Inverkehrbringen konformer Ware liegt bei Ihnen als Hersteller/Importeur; klären Sie Details mit einer qualifizierten Stelle. Wir liefern zertifizierte Garne und die Lieferantendokumentation dazu.
Passend dazu: Kleidung produzieren lassen · Strickwaren im Großhandel · Preisübersicht der Strickerei.
Senden Sie Spezifikation und RSL. Wir kalkulieren mit zertifizierten Garnen und passender Dokumentation.
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