Was ein Pullover für den deutschen Markt am Etikett tragen muss — und wie man es ab Werk richtig macht, statt später umzuetikettieren.
Die EU-Textilkennzeichnungsverordnung (EU 1007/2011) verlangt, dass die Faserzusammensetzung vor dem Verkauf angegeben wird — mit den vorgeschriebenen Faserbezeichnungen und dem Gewichtsanteil jeder Faser. Für Strickware ist das das nicht verhandelbare Etikett; Pflege und Ursprung runden ab, was deutsche Käufer erwarten.
In Deutschland kommt eine Besonderheit hinzu, die viele ausländische Marken unterschätzen: Fehlerhafte Kennzeichnung ist hier nicht nur ein Behördenthema, sondern ein Abmahnrisiko — Wettbewerber und Verbände mahnen falsche Faserangaben und fehlende Pflichtangaben im Online-Shop regelmäßig kostenpflichtig ab. Und: Die Faserzusammensetzung muss dem Käufer schon vor dem Kauf zugänglich sein, also auch in der Produktbeschreibung Ihres Shops, nicht erst am eingenähten Etikett. Wer die Angaben ab Werk sauber aufsetzt, hat beide Risiken abgeräumt.
Vorgeschriebene Faserbezeichnungen mit Gewichtsanteil, in absteigender Reihenfolge — z. B. „70 % Wolle, 30 % Kaschmir". Die rechtliche Kernpflicht.
Wasch-, Trocken- und Bügelhinweise. Vom Handel und von Kund:innen erwartet — günstige Versicherung gegen Reklamationen.
„Made in Türkiye" — wo angegeben, korrekt und gut lesbar.
Ihre Markenkennzeichnung und deutsche Größe, nach Ihrer Spezifikation bei der Endfertigung angebracht.
Zur Platzierung bei Strickware: Das Markenlabel sitzt üblicherweise im Nacken, das Kennzeichnungsetikett mit Faser und Pflege in der linken Seitennaht — eingenäht, nicht nur eingelegt, denn die Angaben müssen die Lebensdauer des Teils überstehen. Bei sehr feiner Ware oder kratzempfindlichen Zielgruppen (Kinder, Loungewear) sind gedruckte Nackenlabels eine Option; das Faseretikett bleibt trotzdem eingenäht.
Die Verordnung ist lang; im Strick-Alltag entscheiden vor allem diese Punkte — im Zweifel gilt die jeweils aktuelle Fassung samt Anhängen:
| Angabe | Regel | Strick-Beispiel |
|---|---|---|
| Reihenfolge | Fasern in absteigender Reihenfolge des Gewichtsanteils | „70 % Wolle, 30 % Kaschmir" — nie umgekehrt |
| „100 %", „rein" | Nur bei Erzeugnissen aus einer einzigen Faser zulässig | Ein Elastan-Beilauf im Bündchen beendet den „100 % Wolle"-Anspruch |
| Faserbezeichnungen | Nur die in der Verordnung gelisteten Bezeichnungen | „Merino" ist Marketing — auf dem Etikett heißt es „Wolle" |
| Tierische Nichttextil-Teile | Hinweis „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs" ist Pflicht | Horn- und Perlmuttknöpfe, Lederpatches am Cardigan |
| Sprache | Für den Verkauf in Deutschland: auf Deutsch | „Wool/Wolle" ist zulässig — nur Englisch nicht |
Zwei Ergänzungen aus der Praxis: Pflegesymbole sind in Deutschland gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber faktisch Handelsstandard — und die bekannten Symbole sind markenrechtlich geschützt (GINETEX), was Marken mit eigenem Etikettenlayout klären sollten. Die Pflegeempfehlung selbst gehört auf Basis realer Waschtests festgelegt, nicht nach Gefühl. Und die Ursprungsangabe „Made in Türkiye" ist in der EU freiwillig; wenn sie aufs Etikett kommt, muss sie stimmen — Hintergründe im Beitrag Was „Made in Türkiye" bedeutet.
Ein paar Klassiker: Die Faseranteile müssen zum tatsächlichen Garn passen (unser Garnzertifikat stützt das Etikett); Zierbesatz und Futter haben eigene Angabepflichten; und Etiketten müssen haltbar und lesbar sein. Nennen Sie uns die volle Konstruktion — jedes Garn und jeden Besatz — damit das Etikett beim ersten Mal stimmt.
Der teuerste Fehler ist trotzdem ein anderer: Etiketten, die erst nach der Produktion bestellt werden. Dann liegt fertige Ware im Lager und wartet auf Webetiketten — oder wird mit falschen Etiketten ausgeliefert und muss umetikettiert werden, was bei eingenähten Labels Nacharbeit an jedem einzelnen Teil bedeutet. Unsere Empfehlung: Etikettenspezifikation (Text, Material, Position, Sprache) wird zusammen mit dem Muster freigegeben, nicht danach. Perspektivisch lohnt auch ein Blick nach vorn: Mit dem geplanten digitalen Produktpass der EU wird die Produktinformation über das physische Etikett hinauswachsen — wer seine Faser- und Lieferkettendaten heute sauber führt, hat den Übergang später fast umsonst.
Wir produzieren nach Ihrer Etikettenspezifikation: Faserinhalt aus dem tatsächlichen Garn, Pflege- und Ursprungsangabe, Ihre Marke und deutsche Größe, bei der Endfertigung angebracht — und reichen die Dokumentation durch. Dies ist allgemeine Information, keine Rechtsberatung; die finale Verantwortung für das Inverkehrbringen bleibt bei Ihnen. Wie die Kennzeichnung mit den übrigen Pflichten — Produktsicherheit, Schadstoffe — zusammenspielt, zeigen die Leitfäden GPSR und EU-REACH für Strickwaren.
Passend dazu: Lohnfertigung für Strickwaren · Zoll und A.TR beim Import · Kleidung produzieren lassen.
Senden Sie Tech Pack und Etikettenspezifikation. Wir bestätigen Faser, Konstruktion und Kennzeichnung am Muster vor der Produktion.
Verwandte Leitfäden
Passende Herstellerseiten