Compliance · Deutsches Recht

LkSG für Strickwaren — Sorgfaltspflicht im Einkauf

Seit 2024 gilt das LkSG auch für Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern. Was das für Ihren Strickwaren-Einkauf aus der Türkei konkret bedeutet.

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) verpflichtet deutsche Unternehmen, Menschenrechts- und Umweltrisiken in ihrer Lieferkette zu identifizieren und zu minimieren. Ab Januar 2023 galt es für Unternehmen ab 3.000 Mitarbeitern, seit Januar 2024 auch für Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern. Für den Strickwaren-Einkauf aus der Türkei heißt das: Ihr Lieferant muss prüfbar sein.

Zwei Punkte werden dabei oft unterschätzt. Erstens der Trickle-down-Effekt: Auch wenn Ihre Marke selbst unter der Mitarbeiterschwelle liegt, erreichen Sie die Pflichten indirekt — LkSG-pflichtige Kaufhäuser, Einkaufsverbände und Plattformen reichen ihre Sorgfaltsanforderungen vertraglich an kleinere Lieferanten und Marken weiter. Wer an solche Kunden verkaufen will, muss dieselben Fragebögen beantworten können. Zweitens ist der Rechtsrahmen in Bewegung: Die europäische Lieferketten-Richtlinie (CSDDD) wird in nationales Recht überführt, und der deutsche Gesetzgeber hat Anpassungen am LkSG angekündigt. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf ältere Zusammenfassungen, sondern prüfen Sie den jeweils aktuellen Stand und die Handreichungen des BAFA, bevor Sie interne Prozesse festschreiben.

Was das LkSG konkret verlangt

01

Risikoanalyse

Jährliche Analyse Ihrer direkten Lieferanten (Tier 1) und bei Hinweisen auch indirekter Lieferanten. Textil gilt als Hochrisikobranche — Tier-1-Prüfung ist Pflicht.

02

Präventionsmaßnahmen

Code of Conduct für Lieferanten, vertragliche Verpflichtungen zu Menschenrechts- und Umweltstandards, Selbstauskünfte oder Audits.

03

Beschwerdeverfahren

Einrichtung eines Beschwerdeverfahrens, über das Arbeitnehmer oder Dritte Verstöße melden können — auch aus dem Ausland.

04

Dokumentation & Bericht

Jährlicher Bericht über die ergriffenen Maßnahmen, veröffentlicht auf der Unternehmenswebsite und beim BAFA eingereicht.

Türkei-Lieferkette und LkSG-Risikoprofil

Die Türkei gilt im LkSG-Kontext als mittleres Risikoprofil — deutlich besser als Süd- oder Südostasien. Das Land hat Gewerkschaften, Mindestlohnregelungen, ILO-Konventionen ratifiziert und einen funktionierenden Arbeitsrechtsrahmen. Das bedeutet nicht, dass keine Risiken bestehen — Kinderarbeit in informellen Subunternehmen, Arbeitszeitüberschreitungen und Sicherheitsmängel sind anerkannte Risiken im türkischen Textilsektor, die im Rahmen einer LkSG-Risikoanalyse dokumentiert werden müssen. Ein direkter, bekannter Lieferant mit eigener Fabrik reduziert dieses Risiko erheblich gegenüber einer langen Subkontraktoren-Kette.

Wie wir Ihre LkSG-Prüfung unterstützen

Wir sind eine eigene Produktionsstätte — keine Handelsvermittlung, keine Subkontraktkette. Das bedeutet: Sie haben einen direkten Tier-1-Kontakt, volle Transparenz über Produktionsort und -bedingungen, und wir können Ihnen die für eine Risikoanalyse benötigten Unterlagen bereitstellen: Selbstauskunft zu Arbeitsbedingungen, Code-of-Conduct-Unterzeichnung, Fabrikdaten (Mitarbeiterzahl, Schichtmodell, Sublieferanten für Garne). Wir sind kein Compliance-Berater — die LkSG-Verantwortung liegt beim deutschen Unternehmen. Aber wir sind ein Lieferant, der die Fragen beantworten kann.

Pflichten und Lieferantenbeitrag im Überblick

Die vier Kernpflichten des Gesetzes lassen sich nur erfüllen, wenn der Lieferant mitzieht. Die Übersicht zeigt, welcher Beitrag auf Herstellerseite realistisch ist — und welches Dokument dahintersteht:

Ihre LkSG-PflichtBeitrag des LieferantenTypisches Dokument
RisikoanalyseTransparenz über Produktionsort, Beschäftigte, Schichtmodell und Garn-VorlieferantenSelbstauskunft / Supplier Questionnaire, Fabrikdatenblatt
PräventionsmaßnahmenUnterzeichnung Ihres Code of Conduct, Öffnung für Besuche und AuditsGegengezeichneter CoC, vorhandene Sozialaudit-Berichte, Auditrecht im Vertrag
BeschwerdeverfahrenBekannte, erreichbare Kontaktwege für Beschäftigte und Dritte vor OrtBenannte Ansprechstelle, dokumentierter interner Meldekanal
Dokumentation und BerichtKonsistente, jährlich aktualisierbare Angaben statt einmaliger MomentaufnahmeAktualisierte Selbstauskunft je Berichtsjahr

Drei Praxisregeln machen den Prozess tragfähig: Erstens priorisieren Sie nach Risiko statt nach Alphabet — ein direkter Tier-1-Hersteller mit eigener Fertigung ist anders zu bewerten als eine anonyme Handelskette mit unbekannten Subunternehmern; die Meldepflicht für Subvergabe gehört deshalb in den Vertrag. Zweitens ersetzt kein Fragebogen den eigenen Eindruck: Ein Fabrikbesuch beantwortet in zwei Stunden Fragen, an denen Papierprozesse wochenlang hängen — wie Sie ihn vorbereiten, zeigt der Leitfaden zum Fabrikbesuch in der Türkei. Drittens gilt: Prüftiefe muss zur Unternehmensgröße passen. Wie ein pragmatischer Prüfprozess ohne Konzern-Compliance-Abteilung aussieht, beschreibt der Beitrag zur Due Diligence in der Praxis; die konkrete Anforderungsliste an einen Strickwaren-Lieferanten finden Sie unter LkSG-Anforderungen an Lieferanten.

Praktischer Tipp: Supplier Questionnaire

Viele LkSG-pflichtige Marken schicken uns einen Supplier Questionnaire — eine Selbstauskunft zu Arbeitsbedingungen, Umweltmaßnahmen, Sublieferanten und Beschwerdekanälen. Wir füllen diese aus und können ergänzende Dokumente beifügen. Wenn Sie ein solches Formular haben, senden Sie es vorab — wir bereiten uns vor, damit die Prüfung nicht den Produktionsstart verzögert.

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Kontaktieren Sie uns mit Ihrem Supplier Questionnaire oder Ihren LkSG-Anforderungen. Wir antworten innerhalb von 1 Werktag mit den relevanten Unterlagen.

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