Glanz, Leichtigkeit, Wärme — Mohair ist eine der auffälligsten Strickfasern. Was sie auszeichnet und was beim Einkauf zu beachten ist.
Mohair stammt von der Angoraziege (nicht zu verwechseln mit Angorawolle vom Angorakaninchen). Die wichtigsten Anbauländer sind Südafrika, Lesotho und die Türkei (Angora-Ziege ist historisch türkisch, heute weltweit). Mohair ist bekannt für seinen seidig-glänzenden Glanz, außergewöhnliche Leichtigkeit bei guter Wärme und den charakteristischen „Halo"-Effekt, wenn es gebürstet wird.
Im deutschen Markt hat Mohair in den letzten Jahren vor allem über eine Silhouette funktioniert: den flauschigen Oversized-Cardigan und -Pullover im Herbst/Winter-Sortiment. Die Faser ist damit weniger ein Basics-Material als ein gezielter Hingucker — meist zwei bis vier Styles pro Kollektion, in hellen und pudrigen Tönen, die den Halo-Effekt betonen. Genau deshalb lohnt es sich, Qualitätsstufe, Mischung und Verarbeitung präzise zu bestellen: Bei einer Statement-Faser fällt jeder Kompromiss doppelt auf. Dieser Beitrag ordnet die Qualitätsstufen ein, erklärt die Verarbeitungspraxis in der Fabrik und räumt die häufigste Verwechslung — Mohair versus Angora — aus dem Weg.
Unter 26 µm — von jungen Ziegen (erste Schur). Feinste, weichste Sorte. Höchster Glanz. Für direkte Hautanwendung geeignet. Teuerste Kategorie.
26–34 µm. Robuster, für Oberbekleidung ideal. Immer noch glänzend und leicht, aber weniger weich als Kid. Günstigere Option für Volumenware.
Nach dem Stricken gebürstet — erzeugt den charakteristischen flauschigen Halo-Effekt. Trendig in HW-Kollektionen, besonders bei Oversized-Silhouetten.
Häufig mit Seide kombiniert (z. B. 72 % Kid Mohair / 28 % Seide — Klassiker von Rowan/Drops). Auch Mohair/Wolle-Mischungen für mehr Körper. Pure Mohair ist schwer zu verarbeiten.
Zur Gauge-Praxis: Mohair wird überwiegend in gröberen Feinheiten verstrickt oder als feiner Effektfaden mit einem Grundgarn mitgeführt. Für den typischen deutschen HW-Look — voluminös, leicht, transparent schimmernd — hat sich lockerer Grobstrick bewährt; wer festere, alltagstauglichere Ware will, wählt eine Mohair/Wolle-Mischung mit höherem Wollanteil. Welche Feinheit zu welchem Look führt, erklärt der Gauge-Guide.
Mohair ist keine Faser, die man „einfach mitstrickt". Vier Punkte entscheiden in der Fertigung über das Ergebnis:
Mohair entfaltet Halo und Leichtigkeit nur in offener, luftiger Maschenstruktur — typischerweise in gröberen Feinheiten. Zu dicht gestrickt wird die Ware schwer, steif und verliert genau den Effekt, für den man die Faser bezahlt.
Viele Mohair-Garne laufen mit einem feinen Trägerfaden (Seide oder Polyamid), der der flauschigen Faser Zugfestigkeit gibt. Das ist Industriestandard — aber der Träger gehört in die Faserangabe auf dem Etikett. Details regelt die Textilkennzeichnung.
Der Halo-Effekt entsteht als eigener Ausrüstungsschritt nach dem Stricken. Zu aggressives Bürsten schwächt die Maschenstruktur, zu zaghaftes lässt die Ware flach wirken — die Intensität wird am Muster festgelegt und in der Serie reproduziert.
Gebürsteter Mohair fusselt anfangs — das ist Faserphysik, keine Reklamation. Gute Garnqualität und saubere Verarbeitung minimieren den Effekt; ein Pflegehinweis im Shop („anfängliches Flusen ist normal") reduziert Retouren spürbar.
Zur Beschaffungsseite: Für Mohair existiert mit dem Responsible Mohair Standard (RMS) ein Tierwohl-Standard auf Farmebene, den etliche europäische Handelshäuser inzwischen voraussetzen. Der Nachweis läuft — wie bei allen Faserstandards — über die Garnlieferkette; wir beziehen Mohair-Garne von Lieferanten, die entsprechende Dokumentation bereitstellen, und reichen sie an Sie weiter.
Angora (vom Angorakaninchen) und Mohair (von der Angoraziege) werden häufig verwechselt. Angora ist verboten oder eingeschränkt in vielen EU-Handelshäusern (Tierschutzbedenken), hat Kennzeichnungspflichten und eine sehr kurze, flauschige Faser. Mohair ist davon getrennt — klare Kennzeichnung „Mohair" (nicht „Angora") auf dem Etikett ist rechtlich korrekt und marktrelevant. Wenn Ihre Kunden oder Handelspartner „kein Angora" verlangen, betrifft das Kaninchenfaser, nicht Mohair.
Für die Umsetzung als Produkt gilt: Mohair spielt seine Stärken besonders in Cardigans und locker fallenden Silhouetten aus — Konstruktionsdetails und Beispiele zeigt unsere Seite Mohair-Strickjacken-Hersteller. Wer zwischen den Premium-Fasern abwägt, findet die Gegenüberstellung im Beitrag Alpaka-Strickwaren: Alpaka für glatte, warme Klassiker, Mohair für Volumen und Effekt — viele Kollektionen fahren bewusst beides.
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